Trends folgen einem gewissen Trend. Wurden sie erst einmal ausgerufen, entwickeln sie eine Art Eigendynamik. Gehypt von Medien und Industrie werden sie zum Glücksbarometer der Gesellschaft. Bei einem so wichtigen Thema wie der Mobilität ist ein Trend oder Boom besonders heikel. Hat er sich aber etabliert, kommen Industrie und Verwaltung mit der Verwirklichung der Versprechen nicht mehr zu Rande. Welches Potenzial in den E-Autos steckt, beweist eine Umfrage der Managementberatungs-, Technologie und Outsourcing-Agentur Accenture. Der Name der verheißungsvollen Studie: E-Mobility 2009.
Demnach sind nämlich knapp 28 Millionen deutsche Autofahrer davon überzeugt, dass sie innerhalb der kommenden zehn Jahre in einem Elektroauto unterwegs sein werden. Das sollte die deutsche Regierung freuen, denn deren Prognose ging von einem Fahrzeugbestand von einer Million Stück Elektro- und Hybridfahrzeuge bis 2020 aus. Fünf Prozent der Befragten gaben sogar an innerhalb der nächsten zwei Jahre auf ein E-Auto umsatteln zu wollen.
Bleibt die Frage, ob hier nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Denn was derzeit möglich ist und was von den Verbrauchern gefordert wird, ist nicht immer in Einklang zu bringen. Was nämlich ein Großteil der Kunden voraussetzt, ist eine Reichweite von über 300 km sowie ein Preis, der nicht mehr als zehn Prozent über dem eines normalen Benziners liegt. Das dürfte nach derzeitigem Stand der Technik wohl kaum verwirklichen lassen. Sollten keine staatlichen Förderungen hinzukommen, bleibt ein konkurrenzfähiger Preis nämlich reine Utopie.
Worauf die Deutschen aber auch im Bereich der grünen Mobilität setzen, ist das Vertrauen in das eigene Know-How. 85 Prozent glauben, dass die Landsleute bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen die Nase vorne haben werden. Und das obwohl gerade die deutsche Autoindustrie viele Jahre nicht in diese Technologie investiert hat, während andere schon Serienfahrzeuge präsentierten. Knapp dahinter im High-Potential-Ranking liegen die japanischen Hersteller.
Trotz dieser schönen Prognosen sehen die Automobilhersteller zunächst aber nicht den Privatkunden als primäres Zielpublikum, sondern Flottenbetreiber. Das ergab eine zweite Studie, die in zwölf europäischen Ländern durchgeführt wurde und sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigte: Barometer 2009. Auf die Frage, ob das jeweilige Unternehmen die Anschaffung von umweltfreundlichen Fahrzeugen (Gas, Elektro, Hybrid, Bioethanol) im eigenen Fuhrpark plant, war sich ein Großteil der Entscheidungsträger einig, dass die Elektromobilität stärker forciert werden muss. In Deutschland wollen neun Prozent der befragten Unternehmen innerhalb der kommenden drei Jahre mindestens einen Stromer im Fuhrpark haben. Innerhalb Europas steigt dieser ohnehin schon beachtliche Wert auf 18 Prozent. Das Problem aber bleibt das gleiche wie bei der Privatperson: Ohne entsprechende Förderung und die erforderliche Infrastruktur werden die Firmen nicht gewillt sein die umweltfreundliche Schiene zu fahren. Imagegewinn ist eben nicht alles im Marketing.
Summa summarum: Selten zuvor wurde ein Trend so schnell aufgegriffen und umgesetzt. Aber dennoch sollten die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. Was derzeit propagiert wird, ist ein guter Anfang, aber noch keine Perfektion. Ich meine: So lange es auch noch dauern wird, die positive Einstellung ist in jedem Fall die richtige.




