Angeschlagen ja, innovationslos nein! Opel ist wieder auf Schiene. Modelle wie der Insignia und der neue Astra sind der beste Beweis dafür. Seit langem wieder ein Feuerwerk des Lobes für die Rüsselsheimer. Aus der Krise und der Abhängigkeit von GM führen diese Lorbeeren aber noch nicht. Da müssen die Ingenieure im Zeitalter des automobilen Umdenkens schon tiefer in die Trickkiste greifen – ecoFLEX in allen Ehren. Also wird kurzerhand das kreiert, was gerade am Speiseplan der Stimmungsmacher ganz oben steht: ein Elektrofahrzeug. Aber nicht irgendeines: Der Ampera hebt sich optisch wie technisch ab.

Er ist kein reines Elektrofahrzeug, aber auch kein klassischer Hybrid, wie wir ihn von Toyota (Prius) kennen. Der Ampera fährt in erster Linie elektrisch – und zwar bis zu 60 km ohne weitere Unterstützung. Ist der Saft verbraucht, geht es entweder für drei Stunden an die Steckdose, um die Stromtanks wieder aufzufüllen oder aber es greift ein klassischer Verbrennungsmotor ein. Der verbläst seine Energie aber nicht, um das Fahrzeug anzutreiben, sondern um die Batterien wieder aufzuladen. Mit dieser Taktik soll die Reichweite auf insgesamt 500 km erhöht werden. Dafür wird die Technologie Voltec genutzt, die dafür sorgt, dass die Räder jederzeit und bei jeder Geschwindigkeit elektrisch angetrieben werden. Die Idee, die dahinter steckt: Rund 80 Prozent der deutschen Autofahrer sind weniger als 50 km am Tag im Auto unterwegs – ein Kinderspiel für den Ampera wie für jedes Fahrzeug mit reinem Elektroantrieb. Will die Familie aber einmal mit dem Auto auf Urlaub fahren, steigen Stromer mit einer Reichweite von 100-200 km aus. Der Ampera aber holt sich den Strom aus dem 1,4 Liter-Vierzylinder, der als Stromgenerator dient und ist als Langstreckenfahrzeug so besser geeignet. Die Zero-Emission-Philosophie ist aber natürlich wieder Vergangenheit. Kleiner Trost: Wenn verfügbar, kann alternativ zum Benzin auch umweltfreundlicheres Bioethanol (E85) getankt werden.

Aus dem Stand leistet der Ampera 370 Nm. Ein anständiger Wert, der einem 150 PS Elektromotor zu verdanken ist, der den sportlich gestylten Viersitzer in neun Sekunden auf Landstraßengeschwindigkeit bringt. Bei 161 km/h ist dann allerdings Schluss mit Vortrieb aus dem Lithium-Ionen-Pack. Derzeit gibt es aber nur die Hülle des zukünftigen Stromers und separat dazu die Technik. Echte Testfahrten gab es daher bis dato nur mit einem Chevrolet Cruzer, der die Technik des Ampera eingepflanzt bekam. Der erste fahrtaugliche Prototyp des Ampera soll Anfang 2010 über die Teststrecken gejagt werden. Dass die Batterien auch halten, was Opel verspricht, sollen die Ingenieure im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Mainz-Kastel durch unzählige Tests an 365 Tagen im Jahr garantieren. Der Marktstart ist nämlich knapp kalkuliert: Ende 2011 sollen die ersten Modelle bereits an Kunden verkauft werden und ein Flop darf der Ampera mit Sicherheit nicht werden. Führt man sich den voraussichtlichen Verkaufspreis vor Augen, wird der große Ansturm wohl ausbleiben, aber mit ein paar Förderungen und gutem Willen steht dem Ampera wohl nichts mehr im Erfolgsweg. Derzeit wird ein Preis von 37.000 Euro kolportiert.





