Hätte Ford den derzeitigen Boom am Markt für Elektrofahrzeuge vorhersehen können, hätte der Konzern im Jahr 2001 Pivco Industries wahrscheinlich nicht verkauft. 1999 hat sich der amerikanische Autoriese das kleine Elektrofahrzeug-Unternehmen einverleibt um einen Gesetzesentwurf zum Emissionsausstoß zu erfüllen. Das Gesetz trat nie in Kraft, die Verkaufszahlen der E-Autos waren verheerend. Also wurde das Tochterunternehmen Think Group ad acta gelegt. 2003 erweckte die Schweizer Firma Kamkorp Microelectronics Inc Think wieder zum Leben. Seit 2007 wird jener Stadtflitzer namens Think City produziert, der heute als erstes Elektrofahrzeug alle Auflagen zum Verkauf in Europa erfüllt.

Der Think City ist mit 3,1 m bei Gott kein Riese und somit starker Konkurrent für den Elektro-smart. Platzvorteil des Think: Bei Bedarf können zwei Notsitze im Kofferraum eingebaut werden. Sitzen kann dort allerdings nur der Nachwuchs. Weniger gut punkten dürfte der City bei den Pferdestärken. Lediglich 40 PS stehen für den Slalom durch die Innenstadt bereit. Für den Kavaliersstart bedeutet das den anderen den Vorrang zu lassen, denn für 80 km/h benötigt selbst der ambitionierteste Fahrer rund 13 Sekunden. Auf ein wenig Komfort muss aber nicht verzichtet werden. So verpackten die Norweger ABS, elektrische Fensterheber und Außenspiegel sowie Zentralverriegelung in ihren smarten Wikinger.

Die Natrium-Nickelchlorid-Akkus sorgen für eine akzeptable Reichweite von 180 km. Preistechnisch ist die Batteriewahl von Vorteil, für die Leistung allerdings nicht. Mit Lithium-Ionen-Akkus würde sich die Reichweite auf gut 300 km erhöhen lassen. Außerdem zweifeln Kritiker an der Haltbarkeit des Natrium-Pendants. Die Erzeuger halten dagegen: Angeblich haben sie den Akkutyp bereits seit elf Jahren testweise im Betrieb und er hat 3.000 Ladezyklen problemlos überstanden. Damit es aber hier keine Probleme geben wird, hat sich das Unternehmen ein Preismodell ausgedacht, das den Käufer alle Zweifel vergessen lassen soll: Verkauft wird lediglich das Fahrzeug, die Batterien werden vom Kunden nur gemietet. Sollte ein Gebrechen vorliegen, werden sie einfach ausgetauscht. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 100 km/h angegeben. Sind die Batterien einmal leer, ist Ausdauer gefragt. Ein voller Ladevorgang benötigt an einer konventionellen Steckdose ganze zehn Stunden.

Die ersten internationalen Verkäufe gehen nach Dänemark, Schweden, Holland, Schweiz, Österreich und Spanien. Privatpersonen werden allerdings noch nicht bedient. Think and the City heißt es vorerst nur für Regierungsbetriebe und Versorgungsunternehmen. Ohne eine entsprechende Förderung für Zero-Emission-Fahrzeuge durch den Staat dürften die Verkäufe aber ohnehin nicht berauschend sein. Der Think City kommt auf über 20.000 Euro und wird seine Investitionskosten so nur schwer wieder einfahren können. Wie viele Kleinwagen wird aber auch der Think City etwas Farbe in die triste Betonwelt bringen. Innovative Namen wie Black Jungle, Blue Sky, Red Energy und City Citrus bezeichnen die verfügbaren Farben.





